
Ende August fanden die Deutschen Meisterschaften im 3D-Bogenschießen des Deutschen Bogensportverbands (kurz: DBSV) in Chemnitz statt.
Für die Schützenbruderschaft Nesselröden ging Manfred Sachse an den Start und überzeugte mit hervorragenden Leistungen.
In der Klasse „Herren Blankbogen“ holte sich Sachse den Meistertitel. Er wurde im Rahmen einer Siegerehrung – seinen sehr guten Leistungen im 3D-Bogenschießen entsprechend – mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.
Bei dieser Disziplin geht es nicht um das Zielen auf konventionelle Zielscheiben, die sich wahrscheinlich die meisten Menschen im ersten Moment vorstellen wenn sie ans Bogenschießen denken, sondern vielmehr darum auf dreidimensionale Objekte zu zielen.
In diesem Fall dienen dreidimensionale Kunststoff-Tier-Attrappen in einem abgesteckten Wald-Parcours als Ziel. Das 3D-Bogenschießen ist an die Jagd in der Natur angelehnt. Dabei wird dem Schützen durchaus sportliche Fitness abverlangt. Der Bogenschütze muss Hindernisse im Parcours überwinden, Hänge erklimmen, von Hochsitzen herab zielen oder die Objekte liegend oder knieed anvisieren.
Ein solches Wald-Gelände mit verschiedenen Parcours wurde auch am diesjährigen Meisterschafts-Austragungsort Chemnitz-Rabenstein eigens abgesteckt.
Auf anspruchsvollem Gelände wurden dort – den strengen Regeln entsprechend – verschiedene Ziel-Objekte positioniert, auf die eine bestimmte Anzahl an Pfeilen geschossen werden durfte.
Grundsätzlich unterscheiden sich die Parcours im Schwierigkeitsgrad des Geländes, in der Anzahl aufgestellter 3D-Ziele, der Entfernung zwischen Schützen und Objekten sowie der Anzahl der Pfeile mit der auf eine Attrappe gezielt wird.
Die SB Nesselröden ist stolz auf sein Vereinsmitglied und freut sich darüber, dass Manfred Sachse die Vereinsfarben Grün und Weiß der Schützenbruderschaft in dieser Disziplin über die Grenzen des Eichsfeldes und Südharzes hinaus immer wieder vertritt.
Wir haben Manfred gebeten uns mehr über den 3D-Bogensport zu berichten:
Das Turnier wird vom Deutschen Bogensportverband ausgerichtet. Der DBSV das ist der kleinere Verband neben dem Deutschen Schützenbund (DSB). Er gründete sich aus dem früheren Bogenverband der ehemaligen DDR.
In der DDR wurden Bogensport und Schießsport voneinander getrennt. Nach der Wiedervereinigung akzeptierte die FITA (die weltweite Dachorganisation der Sportbogenschützen, Fédération Internationale de Tir à l’Arc) jedoch nur einen deutschen Verband. Der DSB hatte mit ca. 40.000 Bogenschützen gegenüber den ca. 5.000 des DBSV natürlich die besseren Argumente sich der Dachorganisation anzuschließen. So erhielt der DSB das Deutschland Monopol von der FITA.
In diesem Jahr wurde die Dachorganisation FITA, Fédération Internationale de Tir à l’Arc, mit Sitz im schweizerischen Lausanne in „World Archery Federation“ (WA) umbenannt.
Wenn es jetzt zu internationalen Meisterschaften kommt, stellt der DSB die deutsche Mannschaft. Dadurch starten alle leistungsstarken Bogen-Schützen deswegen allein schon beim DSB, weil sie ja auch international starten und erfolgreich sein wollen.
Nun ist der Turnierkalender aber doch sehr eng gestrickt, so dass sich ein Start in beiden Verbänden oft nicht miteinander vereinbaren lässt. Daher kommt es, dass es in allen Wettbewerben zwei Deutsche Meister gibt – einen in den Disziplinen des DSB und einen in den Disziplinen des DBSV.
Die Leistungsunterschiede von Meistern in gleichen Klassen können dadurch manchmal doch erheblich sein.
Im 3D-Bogenschießen kommt es jedoch zu einer Ausnahme. Der DSB verbietet die Wettbewerbe auf Tierbilder oder 3D-Tierattrappen aufgrund vermeintlicher gewaltverherrlichender Argumente.
Diese Nische hat der DBSV für sich entdeckt, und sich somit ein Monopol auf das 3D-Bogenschießen in Deutschland aufgebaut.
Der DBSV darf aber keine Mannschaft zu weiterführenden Meisterschaften (z.B. Weltmeisterschaften) schicken. Dieses Recht hat nur der DSB, weil er der FITA angeschlossen ist. (Das nennt man wohl Zwickmühle.) Daher findet auch die Weltmeisterschaft im 3D-Bogenschießen in Österreich ohne deutsche Beteiligung statt.
Während es in vielen Bereichen des Bogensports zu Mitgliederrückgängen kommt, boomt das 3D-Bogenschießen wie verrückt. Turniere mit 300 Startern sind daher nicht selten. Auch die Deutsche Meisterschaft in Chemnitz war mit 450 Startern komplett ausgebucht.
Man muss Mitglied im DBSV sein, der Jahresbeitrag beträgt derzeit 27,– €. Man muss keinem Verein angehören. Wenn man „vereinslos“ ist, ist man quasi eine Art Einzelmitglied im DBSV und damit auch versichert.
Geschossen werden muss ein komplettes Wettkampfprogramm des DBSV auf einem entsprechenden Turnier, wie z,B. bei den Landesmeisterschaften in Niedersachsen. Vorteil ist, dass man nicht bei seinem Landesverband starten muss. Ich war beispielsweise in Sachsen- Anhalt am Start. Dort hatte ich mit 29,– € die geringsten Kosten.
Der diesjährige Turnierausrichter (Bogensportclub Chemnitz-Rabenstein) hat sich für die zwei Tage richtig ins Zeug gelegt. Der Star-Tenor der Dresdener Oper wurde engagiert, um die Nationalhymne zu singen. Selbst auf den Toiletten war über Lautsprecher Vogelgezwitscher zu hören. Das Ambiente rund um die Rabensteiner Burg ist sowieso kaum zu toppen. Der Kurs war einer Deutschen Meisterschaft entsprechend knifflig aufgebaut worden. Darüber hinaus trug die Hitze an diesem August-Wochenende außer dem dazu bei, dass es nicht zu einfach wurde.
Mein Sieg war sicherlich keine große Überraschung, der Vorsprung dafür aber umso mehr. Der erste Tag war befriedigend bis gut und der Vorsprung war mit 27 Ringen schon deutlich.
Gewertet wird am ersten Tag:
1.Pfeil – 15 Ringe: Kill – 12: Ringe Körper
Trifft man das Ziel nicht, bekommt man einen 2 Versuch:
2.Peil – 10 Ringe: Kill – 7 Ringe: Körper
Trifft man das Ziel wieder nicht, erhält man einen 3.Versuch
3.Peil – 5 Ringe: Kill – 2 Ringe: Körper
Ich habe 368 Ringe geschossen (420 Mögliche Ringe bei 28 x15)und dabei 2x 10 Ringe als schlechteste Wertung erhalten.
Der zweite Tag war schon herausragend:
300 Ringe konnte ich erreichen, allerdings ist die Wertung
ungleich schwerer als am ersten Tag. Man hat grundsätzlich nur einen Pfeil zur Verfügung. Die Wertung erfolgt dann folgendermaßen
15 Ringe: Innenkill – 12 Ringe: Kill – 7 Ringe: Körper – 0 Ringe: Fehlschuss
Wenn man die 300 Ringe umrechnet auf die Wertung des ersten Tages, hätte ich eine 390 gehabt.
Meine Überlegenheit gegenüber der Konkurrenz ist wohl mit meiner großen Erfahrung und meinem guten Schätzvermögen für Distanzen im Wald zu verdanken.
Die Fähigkeit die Distanz auf Entfernungen mit bis zu 60 Metern auf den Meter genau einzuschätzen ist wohl eines meiner größten Talente.
Im Vergleich zum Feldbogenschießen, wobei man ein Visier in einer Art Strahlensatz auf die Scheibe legen kann, um auf diese Art und Weise die Entfernung ausmessen zu können. Solche oder vergleichbare Möglichkeiten gibt es beim 3D-Bogenschießen jedoch nicht.
Denn beim 3D-Bogenschießen ist die Größe und Entfernung von Objekten kaum nachvollziehbar, weil die Hersteller der Tier-Nachbildungen unterschiedliche Formen und Größen verwenden. Der Aufwand sich Merkmale von 500 Tier-Attrappen zu merken wäre viel zu groß.
Während ich von Ziel zu Ziel lockerer wurde und mich in einen kleinen Rausch schoss, behagten sich meine Konkurrenten und verloren bei dieser schwierigen Wertung schnell den Anschluss.
Der Unterschied zum Scheibenschießen liegt auf der Hand: möglichst gleich im ersten Versuch
das Ziel zu Treffen. Es ist vollkommen uninteressant das Ziel ein zweites oder drittes Mal zu beschießen, die erste Hohe Wertung durch den ersten Treffer zählt.
Im Gegensatz zum Scheibenschießen bekomme ich 56 Aufgaben gestellt, die ich ohne Probe sofort zu lösen – besser gesagt – zu treffen habe.
Rauf, runter, hell, dunkel, nah, fern. Kaum ein Ziel lässt sich gleich lösen.
Für mich ist das 3D-Bogenschießen wie auf den Leib geschneidert. Jedes Ziel hält eine neue Herausforderung für mich bereit, lässt meine Konzentration kontinuierlich auf einem 100%-Level sein. Angst vor dem Versagen hatte ich nur, wenn ich das Ziel bereits getroffen hatte.
Ich bin mir durchaus bewusst, dass mein Titel „Deutscher Meister im 3D Blankbogen Herren“ nicht unbedingt den Stellenwert besitzt wie vergleichsweise der Titel des Deutschen Meisters im Luftgewehr- oder Kleinkaliberschießen. Daher wünsche ich mir, dass in Zukunft gerade mehr stärkere Schützen bei dieser Meisterschaft antreten, damit es noch anspruchsvoller und spannender wird und der 3D-Bogensport einen höheren Stellenwert erhält. Nur leider ist das aufgrund der am Anfang geschilderten Gründe nicht gerade einfach.
Nichtsdestotrotz freue ich mich schon jetzt wieder auf das nächste Jahr, denn dann werde ich unsere Vereinsfarben in einem kleinen Ort in der Pfalz hoffentlich wieder erfolgreich vertreten können.
Mit freundlichem Schützengruß,
Manfred Sachse
Mehr zum Sport:
Nähere Informationen zum 3D-Bogenschießen inklusive Beispiel-Abbildungen findet ihr unter folgendem Link: http://de.wikipedia.org/wiki/Bogenschie%C3%9Fen#3D-Schie.C3.9Fen
Website des Gastgeber-Vereins Bogensportclub Chemnitz-Rabenstein: http://chembows.wordpress.com/
